Lautsprecher und Subwoofer entkoppeln oder ankoppeln?

Eine häufig gestellte Frage ist, wie man Lautsprecher am besten auf den Untergrund (Boden, Ständer, Regal, …) stellt. Sowohl die am Markt erhältlichen Zubehörprodukte (Spikes und Dämpfer in verschiedenen Varianten) als auch die in Foren und auf Websites zu findenden Tipps sehen eine Vielfalt von Möglichkeiten vor. Auch die Lautsprecher haben oft ab Werk Füße in unterschiedlichen Ausführungen – nicht selten aber ist unten einfach nur die Bodenplatte des Gehäuses.

Was also ist das Beste für mich?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt leider wenig objektiv gesicherte Erkenntnisse darüber, welche Methoden wie wirken, dafür aber jede Menge Theorien und Mythen, und subjektive Erfahrungsberichte sind – wie fast immer im HiFi-Bereich – mit Vorsicht zu genießen und oft sehr widersprüchlich.

Im Folgenden soll versucht werden, das Thema zu analysieren, die wichtigsten Erkenntnisse darzulegen, als Hilfestellung, um die verschiedenen Thesen und Empfehlungen im Netz und von Verkäufern etwas besser einordnen und bewerten zu können.

Wer sich die Zeit nicht nehmen möchte, dem reicht vielleicht als Zusammenfassung:

Die Bedeutung des Entkoppelns und Ankoppelns von Lautsprechern wird häufig weit überschätzt und die akustischen Auswirkungen sind in den meisten Situationen eher gering.

Entkoppeln versus Ankoppeln

Bei den Lösungen zum Aufstellen des Lautsprechers gibt es zwei entgegengesetzte Ansätze:

  • Entkoppeln: Hierbei wird versucht, die Übertragung von Vibrationen zwischen Lautsprecher und Boden zu minimieren. Hierzu werden meist Füße oder Matten aus Gummi oder gummiähnlichen Kunststoffen verwendet, welche die Vibrationen dämpfen und in Wärme umwandeln.
  • Ankoppeln: Hier wird versucht, eine möglichst feste Verbindung zwischen Lautsprecher und Boden zu schaffen. Der Gedanke dahinter ist, dass die Masse des Bodens durch die Ankopplung zur Masse des Lautsprechers „hinzugefügt“ wird und dieser deswegen weniger schwingen kann. Ankoppeln könnte man zum einen durch Anschrauben oder Kleben (was in Wohnräumen kaum praktikabel ist) oder durch Spikes. Spikes konzentrieren die Gewichtskraft des Lautsprechers auf eine winzige Fläche (die Spitzen) und erzeugen dort dadurch einen extremen Druck. Ein gegenseitiges Auf- und Abschwingen wird durch diesen Druck fast unmöglich.

Hier wird auch bereits deutlich, dass die häufig angebotenen Spikes mit Untertellern ziemlich unsinnig sind. Die Unterteller sollen den Fußboden schonen, der sonst durch die Spikes beschädigt würde. Dadurch macht man aber den Effekt der Ankopplung wieder zunichte, denn man hat nun aufwändig eine relativ feste Verbindung zwischen Spike und Unterteller geschaffen, aber der Unterteller hat keine andere Verbindung zum Boden als sie auch ein gleich großer zylindrischer Fuß hätte. Solche Lösungen kann man sich allenfalls aus optischen Gründen zulegen, aber man wird damit akustisch nichts bewirken.

Wenn man Spikes sinnvoll einsetzen will, muss man diese direkt auf eine möglichst große und schwere Masse stellen, also idealerweise

  • direkt auf den Estrich (der auch mit Teppichboden belegt sein kann, denn die Spitzen bohren sich hindurch)
  • oder direkt auf Fliesen
  • oder direkt auf andere vollflächig verklebte(!) feste Bodenbeläge (die dann aber in de Regel durch die spitzen Spikes beschädigt werden)
  • oder aber eine große und schwere Steinplatte (etwa einfache Terrassenplatten oder bei gewissem optischen Anspruch Granitblöcke vom Steinmetz). Diese Steinplatte wiederum kann man mit einer dämpfenden Unterlage versehen (beliebt sind Unterlegmatten für Waschmaschinen, die man in jedem Baumarkt bekommt).

Nicht sinnvoll sind Spikes auf schwimmend verlegtem Laminat oder Parkett, selbst wenn man die unausweichlichen Beschädigungen in Kauf nähme.

Wozu Entkoppeln und Ankoppeln?

Zunächst einmal muss man zwei verschiedene Zielsetzungen unterscheiden, die verfolgt werden:

  • Die Reduktion von Lärm in Nachbarräumen/-wohnungen
  • Klangverbesserungen

Lärmreduktion

Sehr häufig kommt der Wunsch auf, mit Rücksicht auf Nachbarn oder Mitbewohner die Übertragung von Vibrationen auf den Boden zu verringern, in der Hoffnung, deren Lärmbelastung zu reduzieren. Dies gilt vor allem für Subwoofer.

Man muss leider sagen, dass diese Hoffnung in den meisten Fällen unbegründet ist. Der Körperschall (also der durch feste Materialien übertragene Schall) ist im Vergleich zum Luftschall, den der Subwoofer erzeugt, normalerweise verschwindend gering. Ein halbwegs gut konstruierter Lautsprecher ist so gebaut, dass er möglichst wenig Eigenschwingungen hat, und außer im absoluten Billigsektor erfüllen die meisten Lautsprecher das auch relativ gut. Wer es testen will, kann ja mal bei hoher Lautstärke die Hand auf das Gehäuse legen. Hier spürt man meist nur ein sanftes Kribbeln. In den Ecken, wo üblicherweise die Lautsprecherfüße befestigt werden, sind die Vibrationen noch viel geringer. Andere nahe stehende Möbelstücke im Raum vibrieren meist kaum weniger, oft sogar mehr.

Man sollte dann versuchen sich vorzustellen, wie viel der Nachbar von den gefühlten Lautsprechervibrationen hören würde, wenn der eigene Raum luftleer wäre (also kein Luftschall austritt). In den allermeisten Fällen wäre das gar nichts, jedenfalls nichts im Vergleich zu dem Lärm, den der Lautsprecher in der Realität erzeugt und der über die Luft vollflächig auf Boden, Wände und Decke trifft und diese vor allem im Bassbereich zum Schwingen anregt.

Allenfalls bei stark schwingenden Holzböden oder sehr leichten Lautsprechern könnte es unter ungünstigen Umständen sein, dass diese durch übertragenen Körperschall oder das Wackeln auf dem Boden so stark zum Schwingen angeregt werden, dass sich hörbare Auswirkungen auf die Nachbarn ergeben. Wer hiervor Sorge hat, kann natürlich versuchen, die Verbindung durch Dämpfer zu entkoppeln. Spikes würden das genaue Gegenteil bewirken und sollten daher unbedingt vermieden werden.

Klangverbesserung

Ob sich durch Entkoppeln oder Ankoppeln eine Klangverbesserung erzielen lässt, ist umstritten. Zwar gibt es zahlreiche Berichte von Personen, die von oft erheblichen Klangänderungen erzählen; wie so oft ist hier aber Skepsis angebracht, da meist ganz andere Faktoren ausschlaggebend für die Hörwahrnehmung sind als die realen akustischen Veränderungen. Auch bei Kabeln, Verstärkern, DAC etc. mangelt es nicht an Berichten von extremen Klangunterschieden, obwohl sich die Klangveränderungen in Blindtests fast immer als nicht vorhanden oder winzig herausstellen.

Ein Blindtest ist hier aber kaum durchführbar. Man müsste dazu die Spikes, Dämpfer etc. in extrem kurzer Zeit so wechseln, dass die Testperson nicht mitbekommt, was gerade montiert ist. Das ist praktisch kaum möglich. Zudem verändert das Untersetzen von Spikes, vor allem, wenn man noch eine Steinplatte und Dämpfer darunter tut, die Höhe des Lautsprechers. Dies hat natürlich sehr oft durchaus eine klangliche Auswirkung – völlig unabhängig davon, ob die zusätzliche Höhe durch Spikes oder Dämpfer oder einen Stapel Bücher erzielt wird. Man müsste also auch noch alternative Materialien testen, mit denen der Lautsprecher genauso angehoben wird.

Insofern bleibt nur, sich die physikalischen Gegebenheiten vor Augen zu führen und sich für Hörversuche eine gesunde Skepsis gegenüber dem eigenen Urteilsvermögen zu bewahren. Und aus physikalischer Sicht sind signifikante Klangauswirkungen in der Regel eher unwahrscheinlich.

Thesen, warum der Klang besser werden könnte, sind:

  1. Bei Spikes: Durch den festeren Stand können die Lautsprecher nicht nachgeben, wenn die Membran ein- und ausschwingt. Dadurch stemmt sie sich exakter gegen die Luftmasse und beschleunigt sie präziser. Außerdem werden die kleineren Treiber nicht durch die größeren Treiber einer Box mitbewegt, und es kann nicht zu Überlagerungen der gewollten Bewegungen des kleineren Treiber mit den ungewollten des größeren Treibers kommen.
  2. Bei Dämpfern: Durch die Verringerung der Übertragung von Körperschall auf den Boden (der auch ein Regalboden, Schrank o. ä. sein kann) werden Vibrationen verringert, die hörbar und daher störend sein könnten.
  3. Bei Dämpfern: Durch die Verringerung der Übertragung von Körperschall vom (durch den Luftschall angeregten) Boden auf den Lautsprecher werden mögliche Rückkopplungen vermieden, die sich wie unter 1. beschrieben auswirken könnten.

Diese Gedanken sind grundsätzlich richtig, es lässt sich nicht eindeutig beantworten, ob (und unter welchen Umständen) die beschriebenen Effekte in einem Maße auftreten, dass sie den Klang hörbar beeinflussen.

Zum ersten Punkt muss man bedenken, wie oben bereits gesagt, dass ein gut konstruierter Lautsprecher nur sehr geringe Eigenschwingungen aufweisen sollte. Und für einen Lautsprecher, der nicht schwingt, sollte es auch keine Rolle spielen, ob er auf Spikes oder Dämpfern steht. Wenn also der stolze Besitzer einer High-End-Anlage verkündet, dass er durch den Einbau neuer Spikes in völlig neue Dimensionen des Hörens vorgedrungen sei, muss er sich die Frage gefallen lassen, warum die Lautsprecher so schlecht konstruiert sind, wenn man sie doch mit so einfachen Mitteln so deutlich verbessern kann.

Punkt 2 könnte eine Rolle spielen, wenn harte Materialien direkt aufeinander gestellt werden. Allerdings sorgen dann bereits sehr einfache Mittel für eine wirksame Unterbindung, etwa kleine Klebeplättchen aus Filz oder Gummi. Spikes wäre hier eher kontraproduktiv.

Bei Punkt 3 muss man sich die Frage stellen, wie bedeutsam solche Rückkopplungen wirklich sein könnten. Zum einen spielt, wie oben bereits dargelegt, der Körperschall im Vergleich zum Luftschall nur eine sehr geringe Rolle. Eine Dämpfung des Körperschalls verhindert aber in keiner Weise die Auswirkungen des Luftschalls auf den Lautsprecher, die also noch viel mehr hörbar sein sollten. In einem normalen Raum hat man zudem sehr viele Reflexionen und Resonanzkörper, die sich alle in ähnlicher oder gar größerer Größenordnung auf den Klang auswirken und doch von den meisten Hörern akzeptiert und nicht angegangen werden. Da bringt es zumindest wenig, sich in den Kampf gegen Lautsprechervibrationen zu stürzen, bevor man nicht diese deutlichen anderen Störfaktoren beseitigt hat.

Fazit

Wie so oft bei HiFi bleibt es eine Glaubensfrage, ob und in welchen Situationen Spikes, Platten und Dämpfer wirklich etwas bewirken. Einerseits ist dies aus logischer Sicht recht unwahrscheinlich, solange nicht besondere Umstände vorliegen. Andererseits muss man aber auch bedenken, dass einfache Spikes oder Dämpfer kein Vermögen kosten und eventuell allein das beruhigende Gefühl die Investition wert ist. Und von überteuerten High-End-Produkten sollte man sowieso die Finger lassen, denn keines davon kann physikalische Wunderdinge bewirken.

Hier noch ein ausführlicher Bericht eines Toningenieurs, der diverse Möglichkeiten des Entkoppelns oder Ankoppelns untersucht hat. Sein Ergebnis in Kurzform: Es gibt keinen relevanten Unterschied.

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